Omara Portuondo

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Die Königin des Männervereins.

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Die Grande Dame des Cuban Jazz und die einzige Frau im Buena Vista Social Club heimste nicht nur einen Echo für dieses Projekt ein, sondern veröffentlicht am 17. April auch ihr Solo Album „Buena Vista Social Club presents … Omara Portuondo“. Auf ihrer Europa Tournee gastiert sie morgen, Dienstag, um 20:30 Uhr in der Muffathalle.

SZ: In Europa ist spätestens seit dem Film von Wim Wenders ein Cuba-Boom ausgebrochen. In Cuba selbst ist diese Musik aber längst nicht mehr so populär. Ändert sich das nach dem globalen Siegeszug von Buena Vista Social Club wieder?

Portuondo: Der globale Erfolg war ja zunächst nordamerikanischer und europäischer Natur. Das hat viel mit den Marketing Maschen dieser Regionen zu tun, die es in Cuba einfach nicht in dieser Form gibt. Das heißt aber nicht, das dieses Projekt jetzt nicht langsam in Lateinamerika – auch in Cuba – anfängt, Fuß zu fassen. Aber die Strukturen sind anders. Dort ist eben nicht die geballte Marktwirtschaft dahinter, die ja in diesem Falle sehr nützlich gewesen ist, da sie ein sehr schönes Projekt in das Blickfeld einer sehr breiten Öffentlichkeit gerückt hat. Nichtsdestotrotz ist der Film mittlerweile auf einigen lateinamerikanischen Filmfestivals in Mexiko und Cuba erfolgreich gelaufen, und jetzt fängt auch die dortige Öffentlichkeit an, das wahrzunehmen. Es ist ja nicht so, dass diese Art von Musik in der Zwischenzeit verschwunden gewesen wäre, aber die traditionelle cubanische Musik gehört natürlich in erster Linie zu meiner, einer älteren Generation. Wie überall auf der ganzen Welt sind auch die cubanischen Jugendlichen mehr an Zeitgeist-Musik wie Hip-Hop und Rock interessiert. Aber durch dieses Phänomen der Wiederbelebung lernt auch die Jugend jetzt eine Art von Musik kennen, von der sie vorher keine Ahnung hatte.

SZ: Ihre Lieder sind oft sehr melancholisch. Sind sie selbst ein melancholischer Mensch?

Portuondo: Es gibt in der cubanischen Musik prinzipiell zwei Grundrichtungen. Zum einen ist das der sehr melancholische Bolero und dann der eher rhythmisch-fröhliche Son, der auch sehr romantische Texte hat. Das sind ja genau die beiden Seiten, die jeder Mensch in sich hat. Ich glaube auch, dass dies kein rein cubanisches Phänomen ist. Jeder hat sicher romantische und melancholische Gefühle und hört andererseits bestimmt auch mal Rock oder Rock ´n´ Roll.

SZ: Glauben Sie, dass diese zwei Seiten der Grund dafür sind, warum ihre Musik so viele Menschen berührt?

Portuondo: Ganz genau. Da ist die Antwort auf das Phänomen des Buena Vista Social Club. Weil jeder Mensch diese zwei Seiten in sich hat, zum einen das melancholisch romantisch Sentimentale und zum anderen das fröhlich Rhythmische, kann sich auch jeder Mensch in dieser Musik wiederfinden. Das ist das soziale Phänomen, das den Erfolg dieses Projektes ausmacht.

SZ: Ein Kritiker hat sie einmal als Edith Piaff der Karibik bezeichnet. Wenn sie sich selbst beschreiben sollten, was würden Sie sagen?

Portuondo: Das muss an der Sprache liegen. Französisch ist ähnlich wie Spanisch, von sich aus schon eine sehr blumige Sprache. Aber ich muss sagen, obwohl ich Edith Piaff sehr schätze und bewundere, würde ich mich als die Omara Portuondo der Karibik beschreiben.

SZ: Viele Ihrer männlichen Kollegen hatten es nicht immer leicht in ihrem Beruf als Musiker. Ging es Ihnen auch so, dass Sie Phasen im Leben hatten, wo es mit der Musik im Leben nicht so geklappt hat?

Portuondo: Ja sicher, obwohl ich eigentlich immer recht erfolgreich war. Aber ich war sehr gerührt, durch dieses Projekt sämtliche Bekannten aus den früheren Zeiten endlich wiederzutreffen, denn ich kannte wirklich alle Musiker, die dort vor mir standen. Allerdings habe ich einige wie Ibhrahim Ferrer komplett aus den Augen verloren. Er hatte halt irgendwann aufgehört zu singen. Es war wunderschön, als wir uns alle wieder trafen. Dass wir jetzt einen solch gigantischen Erfolg haben, ist großartig. Und ich versuche natürlich auch, mit meinem Soloprojekt dran anzuknüpfen.

SZ: Haben Sie immer nur gesungen, oder haben Sie auch manchmal andere Jobs annehmen müssen?

Portuondo: Alles was ich bin und habe, meinen Körper, meine Präsenz, meinen Sohn, das habe ich alles nur durch meinen Gesang erreicht.

SZ: Sie sind die einzige Frau im Social Club. Wie fühlen Sie sich unter all den alten Bekannten, die aber doch ausschließlich Männer sind?

Portuondo: Ich fühle mich als Königin. Obwohl: Als einzige Frau von einem rein männlichen Orchester oder Band begleitet zu werden, ist für mich nichts Neues, da ich schon oft von Musikgruppen oder auch von Sinfonieorchestern eingeladen wurde, um mit ihnen zu singen. Dort war ich auch immer die einzige Frau.

SZ: Dabei kann der Eindruck entstehen, es gebe nicht so viele cubanische Musikerinnen. Ist das so?

Portuondo: Es schein ein weltweites Phänomen zu sein, dass Begleitmusiker hauptsächlich männlich sind. Viele Sängerinnen und Solistinnen wurden ebenso wie ich eingeladen, mit den Orchestern zu spielen. Sie mögen vielleicht im Ausland nicht so bekannt sein, aber Cuba hat jede Menge hervorragende Musikerinnen, sowohl zum Teil jüngere, aber durchaus auch ältere als ich. Es gab auch schon immer reine Frauenbands, die traditionelle Musik wie Salsa oder Son gemacht haben.

SZ: Sie haben mal gesagt, dass sie am liebsten in Havanna bei musikalischen Nachmittagen für Senioren auftreten. Mal abgesehen davon, dass Sie momentan vermutlich keine Zeit dafür finden, würden Sie das gern wieder tun?

Portuondo: Ja, ich hatte leider wirklich keine Zeit. Aber ich hoffe, im Mai zwei oder drei Wochen Zeit zu finden, diese Arbeit wieder aufzunehmen. Denn es ist einfach wunderbar, all die älteren Menschen zu beobachten, wie sie Ihre Energien mobilisieren, tanzen, und sich dabei auch mit jüngeren Leuten vermischen und glücklich sind. Das ist etwas sehr wichtiges und natürlich auch ein Phänomen, das der Buena Vista Social Club gebracht hat: Der Altersunterschied spielt plötzlich keine so große Rolle mehr, da ja alle die gleiche Musik mögen.

erschienen: Süddeutsche Zeitung, xx.xx.xxxx

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