Bitte Lächeln: Fleischersatzkuchen

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Vom letzten Britannien-Aufenthalt brachte ich ein etwas abenteuerlich scheinendes Rezept mit: Sicherlich, etwas Mut und Experimentierfreude erfordert es schon, sich an einen englischen Fruchtkuchen heran zu wagen, dessen Hauptzutat wörtlich etwa mit „vegetarischem Hackfleisch“ übersetzt werden könnte. Allein die Vorstellung der Existenz eines solchen Gerichts lässt abenteuerlustige Geschmacksknospen unruhig und empfindsame Mägen brummig werden.

Christmas Cake - Hauptzutat Vegetarian Mincemeat

Etwas für Abenteurer? Fruchtkuchen mit Vegetarian Mincemeat

Bei näherer Betrachtung allerdings erweist sich, dass dieser „Fleisch“-Ersatz nicht wie oftmals in der vegetarischen Küche anzutreffen aus irgendeiner eiweißhaltigen Tofumasse oder Seitan besteht, sondern aus einer süßlichen Mischung aus verschiedenen getrockneten Traubenarten, die sich hauptsächlich in Größe und Farbe voneinander unterscheiden (Korinthen, Sultanien, Rosinen), kandierten Kirschen, Nüssen und Getreide besteht. Schon einmal beruhigend. Trotzdem offenbart sich in dieser Kombination die Tollkühnheit der britischen Küche geradezu schamlos.

Beim Vermischen der Früchte mit Brandy und braunem Zucker zu einem dunklen Matsch stellt sich bei mir langsam der Verdacht ein, dass anglo-europäische Speisen nicht ohne Grund übel beleumundet sind. Aber es gibt kein Zurück. Die Gäste sind bereits geladen und erwarten voll Spannung den leichtsinnigerweise groß angekündigten traditonell-englischen Christmas Cake.

Also flux noch den Hefeteig angerührt, mit Orangensaft und der braunen Rosinenpampe vermengt und in den Ofen geschoben. Nach etwa eineinhalb Stunden ist das balastreiche Ungetüm fertig gebacken und ich bemühe mich, das Resultat dieses Selbstversuchs mit einer weihnachtlichen Schleife in seinem Erscheinungsbild unwesentlich aufzuwerten. Oh, Gott, es schellt bereits, das werden die hoffentlich gnädig gestimmten Gäste sein. Schnell zaubere ich noch das bestechenste Lächeln auf meine Lippen und flöte den Freunden entgegen: „Hallo, meine Lieben, ihr mögt doch Rosinen…?“

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