Pet Shop Boys

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Gehört: Pet Shop Boys im CCH

Schüchternheit ist ihre Sache nicht. Neil Tennant, 45, und Chris Lowe, 40, großspurig wie ehund je, bieten auf ihrer Deutschland-Tournee Popkultur in Perfektion. Dass in dieser Branche ohnehin allein die Inszenierung zählt, haben die beiden Engländer längst begriffen. Die Kostüme und das Bühnenbild übertreiben diese Erkenntnis zur dramatischen Eindimensionalität. Banale Texte über synthetischen Sounds müssen nun einmal monumental dargeboten werden, mag man einwenden und hat wahrscheinlich sogar recht. Jedenfalls kann man sich der Show des Londoner Duos nur schwerlich entziehen.

Wie schillernde Seifenblasen werden urbane Lebensträume vorgeführt, bei denen sich Frontmann Tennant mehr und mehr als allwissender Pop-Gott inszeniert. Theatralisch kündigt er die in diesem Jahr verstorbene Dusty Springfield an. Ihr Bild erscheint auf der trapezförmigen Projektionsfläche der Bühne, und gemeinsam bieten sie das Erfolgsduett „What have I done to deserve this“ dar. Die tanzbärmäßigen Choreografien der vier im Background singenden schwarzen New-York-City-Boys sind für die klischeehaften, irdischen Momente der Show zuständig. Die grazil über die Schowbühne trippelnde Sängerin Sylvia Mason-Jones hingegen übernimmt in der glitzernden Szenerie die Rolle der guten Soul-Fee.

Noch einmal schwingt sich Neil Tennant bei „It’s a Sin“ auf die Empore und zum Hohepriester des Pop auf. In roten Roben preist ihn sein Background-Chor, und die projizierten Kirchenfenster erinnern fatal an die Pet Shop Boys persönlich. Tennant bleibt vor seiner riesigen Projektion kaum mehr als ein Schatten. Der schale Geruch von Selbstbeweihräucherung treibt durch die Halle.

erschienen in: taz Hamburg Nr. 6003 vom 29.11.1999 Seite 23 Kultur 65 Zeilen

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