Sasha

with Keine Kommentare
Gänsehaut im Stadtpark

Selten sind Mütter und Töchter einer Meinung, wenn es aber um den süssen Sasha geht, sind sie sich einig. „Ausziehen! Ausziehen!“ tönt es dem leicht verwirrten Sänger unisono entgegen. Seine relativ unverruchte Mischung aus smartem Sonnyboy und schüchternem Schulsprecher, so meint man zunächst, könne nicht sexy sein. Doch die tosende Masse und die charmante Bühnenpräsenz des Sängers belehren schnell eines Besseren.Trotz mehrerer Andeutungen, bei denen er sogar den ersten Knopf seines Hemdes öffnet, bekommen wir seine wohlgeformte Brust an diesem Abend zwar nicht zu sehen, wohl aber vier unterschiedliche Bühnengarderoben und seinen Schattenriss beim Umziehen.

Auch musikalisch setzte Sasha auf Vielfalt. Neben seinen romantischen Balladen, die den ausverkauften Stadtpark immer wieder in ein Meer aus roten Leuchtherzen und Wunderkerzen verwandeln, griff der Schmucke selbst zur Mundharmonika und stimmte zunehmend soulige Töne an. Hervorragende Unterstützung erhielt er hierbei nicht nur von seiner Band, sondern auch von seinen einnehmenden Background-Sängerinnen, die erfrischenderweise tatsächlich nach stimmlichem Können und nicht nach Figur ausgewählt wurden. Soviel Sorgfalt mag wohl daherrühren, dass sich der Süsse vor seinem Durchbruch mit „I’m Still Waitin'“ selbst im Background verdingte.

Nach bummelig zwei Jahren als gefeierter Star weiß Sasha nun aber wirklich zu unterhalten. Es fliegen Teddys, Rosen, T-Shirts und sogar ein BH auf die Bühne – die Fans werden schließlich auch älter und extravaganter in ihren Begeisterungsbezeugungen. Sasha, dem sein Sexy-Schulsprecher-Image durchaus bewusst ist, begegnet dem Ganzen mit einer tüchtigen Portion Selbstironie, ungeheuren Entertainerqualitäten und einer wunderbaren Sirtakiversion des Tom-Jones-Smash-Hits „Sexbomb“.

Nur einmal hängen an diesem Abend Töchter und Mütter unterschiedlichen Gedanken nach: „Ach wäre ich nur ein bisschen älter“, denken die einen, „Nur ein bisschen jünger“ die anderen. Wenn Sasha schmachtet: „Let Me Be The One For You“, und die Herzen schlagen bis zum Hals und ihm entgegen – wird man doch noch träumen dürfen.

erschienen in: Hamburger Morgenpost, 11.09.2000, Seite 12

Share this: