Van Morrison

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Irgendwie wirkt er immer wie an den Bühnenboden geschraubt, den Kopf leicht nach hinten gebeugt, mal ein Nicken, mal ein Schnippen und hin und wieder läßt er sogar den Arm kreisen. Es hat ein bißchen gedauert, bis ich dieses minimalistische Verhalten in Mimik und Gestik sowie die Nuschelein zwischen den Stücken als Anweisungen, wie und was zu spielen sei, an seine Band gedeutet hatte. Gott sei Dank gelang es den sieben Musikern auf der Bühne, diese Signale schneller und pflichtgetreu zu enträtseln und umzusetzen. Denn die Gefahr, bei verpatzten Einsätzen auf offener Bühne gefeuert zu werden, ist bei Van The Man proportional höher als anderswo.

Kein Zweifel: Van Morrison ist launisch, grantig, ein ausgesprochener Tyrann, eben ein Herrscher, dem man sich tunlichst unterordnen sollte. Dies gilt nicht nur für die Band, sondern auch für das Publikum. Seit über 30 Jahren singt er nun von Liebe, Enttäuschung und schönen Frauen und er erwartet von der Welt nur die winzige Gegenleistung, seine etwas alberne Kostümierung (schwarzer Hut, schwarzer Anzug, Sonnenbrille), seine leicht fehlgeleiteten philosophischen Ergüsse und seine religiösen Erleuchtungen zu ehren und zu bewundern wie es Seiner Majestät zusteht. Dazu sind die Fans ja auch gern bereit und werden ihrer Ehrerbietung sicher durch den Kauf der vor kurzem erschienenen Sammlung überflüssiger alter Blues-Nummern Ausdruck verleihen, die – sein wir doch mal ehrlich – besser nie veröffentlicht worden wären. Großspurig und anmaßend mutet auch der Titel an: The Philosopher‘ s Stone.

Den Stein der Weisen bekamen wir an diesem doch noch sehr schönen Sonnabend im Hamburger Stadtpark allerdings nicht zu sehen, wohl aber das Saxophon Seiner Majestät. Was genau den Zauber ausmacht, wenn Van The Man die Bühne betritt, ist schwer zu sagen. Natürlich ist es in erster Linie seine Stimme, die dieses zauberhafte Land, wo der Duft der Frauen einem die Sinne benebelt und nur die Liebe zählt, beschwört. Aber trotz der hohen Fluktuation in seiner Band gelingt es Van Morrison, ausnehmend exzellente Musiker zu beschäftigen, die seine Arroganz vielleicht erst ermöglichen. Wir erlebten einen ausgesprochen gutaufgelegten Van Morrison. Überhaupt erinnerte das Konzert im Arrangement von Show und Stücken mehr an eine BluesBrothers-Live-Performance als an die trübsinnigen Sachen, die man vielleicht erwartet hatte. Der Mann, der es normalerweise für eine Zumutung hält, überhaupt auf einer Bühne stehen zu müssen, gab seine Klassiker von „Healing Game“ bis „Summertime in England“ in fast souligem Anstrich und amüsierte sich auch noch sichtlich dabei. Letzteres Stück war auch erklärter Höhepunkt des Abends: Im schon beinahe mystischen answer-response-Verfahren improvisierten der Saxophonist Pee Wee Ellis und Van Morrison, bis das Publikum in spiritueller Ekstase applaudierte, pfiff und schrie. Irgendwie muß dies tatsächlich ein mystischer Moment in Zeit und Raum gewesen sein. Um 20:54 gab es dann auch für Van Morrison Den Grantigen kein Halten mehr. Ein ungläubiges Raunen geht durch die Menschenmenge, wir haben es alle gesehen – ER hat wirklich gelächelt.

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